Was ist Swing?
Swing
bezeichnet eine Stilrichtung des Jazz, die ihre Wurzeln in der Zeit der 1920er bis 1930er Jahre in den USA hat. Dort bildete sich aus vorangegangenen Stilrichtungen wie dem Dixieland- und dem Chicago Jazz eine neue Musikrichtung heraus, die letztendlich ihre große Popularität aus ihrer Tanzbarkeit und ihrem vollen Klang ableitete. In der Swingära näherten sich Entertainment und Kunst einander am meisten; der Jazz machte Kompromisse, um populär zu werden, und bewahrte sich doch seine Eigenheiten.
Die Verbreitung des Swing ist untrennbar mit der Entstehung der Bigband verbunden, oftmals auch als Jazzorchester bezeichnet, was auf die Größe der Besetzung schließen lässt. Waren bis dahin Musikerformation in der Größe von Trios bis Oktetts die Regel, so stellte die Bigband nun ein absolutes Novum dar. Aus ihrer Größe folgten Änderungen in der Art des Musizierens, aber auch eine breite Palette an neuen musikalischen Möglichkeiten.
Die Geschichte
Als erste weiße Band dieses Stils begann das Casa Loma Orchestra ab Ende der Zwanzigerjahre mit der Popularisierung des Swing. Diese Stilrichtung des Jazz wurde ab Mitte der Dreißigerjahre zu einem Massenphänomen, nicht zuletzt durch die spektakulären Erfolge der Band des Klarinettisten Benny Goodman. Swing zog insbesondere die Jugend der damaligen Zeit in seinen Bann, so dass sich aus dem Swing eine Reihe wilder Tanzmoden entwickelten. Maßgeblichen Einfluss auf den Siegeszug des Swing hatte der Einsatz des Rundfunks, zunächst in den USA, wo eine zwischen Dezember 1934 und Mai 1935 als Werbekampagne von der National Biscuit Company organisierte Radio-Show mit drei Bands unterschiedlicher Stilrichtung, darunter auch das Goodman Orchestra, über die Rundfunkstationen der National Broadcasting Company wöchentlich landesweit ausgestrahlt wurde. Auch die Radiosender in Europa trugen das Ihre zum Siegeszug des Swing bei. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg holten ganz speziell Deutschland und Österreich auf, wo der Jazz während der Zeit des Dritten Reiches als "entartete Musik" im Rundfunk verboten gewesen war, und die Anhänger der Swingjugend mit schweren Strafen zu rechnen hatten. Übermittler dieser neuen Musikrichtung waren hauptsächlich die amerikanischen Truppen in Europa. Zu erwähnen ist hier Glenn Miller, der 1937 seine Bigband mit dem typischen "Glenn-Miller-Sound" (vier Saxophone und führende Klarinette) gründete und schnell große Popularität genoss. Es entstanden Hits wie In the Mood, oder auch Moonlight Serenade, American Patrol, Chattanooga Choo Choo, Tuxedo Junction oder Little Brown Jug. Glenn Miller trat der Army Air Force bei und übernahm 1942 die Leitung der Army Air Force Band. 1944 kam Miller bei einem Versorgungsflug über dem Ärmelkanal ums Leben. Sein erfolgreiches Orchester wurde aber als Ghost Band unter der Leitung von Tex Beneke am Leben gehalten.
Die wichtigsten Alben des Swing
Die Solisten des Swing
- Benny Carter: 1940-1941 (Classics)
- Coleman Hawkins: The Complete Coleman Hawkins (Mercury, 1944)
- Billie Holiday: The Quintessential Billie Holiday, Volume 4 1937 (Columbia, 1937)
- Johnny Hodges: Everybody Knows Johnny Hodges (Impulse!, 1964)
- Teddy Wilson: 1937, 1938 (Classics)
- Lester Young: The Complete Aladdin Sessions (Blue Note, 1942-47)
Die Big Bands
- Count Basie Orchestra: The Original American Decca Recordings (MCA GRP 1937-39)
- Duke Ellington Orchestra: The Duke At Fargo 1940 (Storyville, 1940)
- Duke Ellington: Black, Brown and Beige (RCA, 1944-46)
- Benny Goodman: The Famous Carnegie Hall Concert 1938 (Columbia, 1938)
- Lionel Hampton: 1937-1938, 1938-1939, 1939-1940 (Classics)
Die Small Bands
- The Basie Bunch: Too Marvelous for Words/Cool Too (Vanguard, 1954-1958)
- Benny Carter/Oscar Peterson/Ray Brown u.a.: 3,4,5 - The Verve Small Group Sessions
- The Duke's Men: Small Groups Vol. I & II (Columbia, 1935-1939)
- John Kirby 1938-1939 (Classics)
Im Laufe der Zeit bildete der Swing einen Doppelcharakter aus. So wurde Swing zum einen als populäre Tanzmusik von Tanzbands wie Larry Clinton, Guy Lombardo oder Tommy Tucker genutzt, andererseits fanden rein konzertante Darbietungen statt. Seinen Triumphzug feierte der Swing jedoch als Tanzmusik und er erlangte eine noch nie da gewesene Popularität. Daraus leitete sich auch die kommerzielle Anpassung des Swing an den Geschmack des Massenpublikums ab. So wurden nun an der Tin Pan Alley, einer New Yorker Musikmeile, Swingnummern für das breite Publikum am laufenden Band geschrieben. Diese "Massenproduktion" und die wachsende Kommerzialisierung der Swing-Musik besonders durch weiße Bands (z. B. Glenn Miller) entfernten diese Richtung des Jazz aber deutlich von seinen afroamerikanischen Wurzeln. Dem wirkten die Musiker der folgenden Richtungen des Jazz, dem Bebop (ab 1940) und dem Cool Jazz (ab 1949/50), entgegen. In Clubsessions und Konzerten enthoben sie - zunächst unfreiwillig gestützt durch den Recording ban - den Jazz seiner Gebrauchsfunktion als Tanzmusik.
Heute erfreut sich der Swing wieder wachsender Beliebtheit. Die Bigband-Tradition wurde in den 50ern von Stan Kenton, Maynard Ferguson und später Orchestern wie der Mel Lewis/ Thad Jones Big Band, Peter Herbolzheimers Rhythm Combination and Brass oder der Kenny Clarke/ Francy Boland Big Band weitergeführt. Wie schon in den 70ern gründen sich neue Orchester mit jungen Musikern. Das in den 70ern gegründete Pasadena Roof Orchestra ist durch seine hohe musikalische Qualität mittlerweile ebenso legendär wie das seiner Vorbilder aus den 20er und 30er Jahren. Auch Robby Williams hat dem Swing einen Abschnitt seiner Karriere gewidmet. Er nahm einige Titel auf, spielte einige Konzerte und hatte durchschlagenden Erfolg damit.